Auf dem Trockenen

24.08 – 05.09.18

Der Tag in der Marina beginnt für mich früh. Die Sonne geht gegen 06:00 – 06:30 Uhr auf, so dass ich versuche, auf den Beinen zu sein und die kühlste Zeit des Tages draußen zu nutzen. Bewaffnet mit Schwingschleifer und Industriestaubsauger geht es an das Entfernen des alten Antifoulings. Nachdem mit einem Hochdruckreiniger die gröbsten Verschmutzungen entfernt wurden, müssen nun auch die Farbreste runtergeschliffen werden, damit eine einheitliche Fläche für das Auftragen des neuen Antifoulings vorliegt.
Antifouling ist eine Giftfarbe, die in mehreren Schichten aufgetragen wird, um Seepocken, Muscheln, Algen, Korallen und weitere Kleinlebewesen daran zu hindern, auf der Außenhülle unterhalb der Wasserlinie zu wachsen. Bewuchs verlangsamt unsere Fahrt durchs Wasser, ein bis zwei Knoten weniger (, das sind 24 – 48 Seemeilen pro Tag,) ist durchaus zu beachten. Leider lässt im Lauf der Zeit die Wirkung des Antifoulings nach und so haben wir regelmäßig zum Ende mancher Tauchgänge die Bürste oder den Spachtel in die Hand genommen, um die Rumpf wieder einigermaßen sauber zu bekommen. Vor unserer Abfahrt aus Bonaire hatten wir nochmal geschrubbt. Als wir uns 10 Tage später in der Marina rauskamen lassen, haben wir schon wieder einen ordentlichen Bewuchs am Schiff. Kleine Krebse fühlen sich in den Algenteppich pudelwohl. Die meisten Seepocken haben wir am Rumpf mit dem Spachtel entfernt, an der Bugstrahlschraube kamen wir nicht ran, so dass sich dort kleine „Prachtexemplare“ entwickelt haben. 🙁

Seit Mallorca hab ich den Part übernommen und ich werde ihn (leider) nicht wieder los. Also ran ans Workout – schmutzundurchlässigen Maleranzug an, Gesichtsmaske und Schutzbrille auf, Schleifmaschine samt Sauger an und los geht es. In dem Anzug bekomme ich zusätzlich einen kostenlosen Saunabesuch, mir ist verdammt warm. Der Schleifstaub ist giftig und ich möchte in nicht auf der Haut oder in den Atemwegen haben. Nach mehreren Tagen Arbeit, ich kann die Maschine endlich weglegen. Die Flächen sind soweit glatt, dass sie gemalert werden können.
Auch hier bietet sich der Morgen an, da spätestens am Mittag die Wärme (in der Luft als auch am Rumpf) über der maximalen Verarbeitungstemperatur liegen. Das Lösungsmittel verpufft förmlich beim auftragen, so dass die Rolle oder wahlweise der Pinsel am Rumpf „festklebt“. Unser Antifouling stammt aus Europa und ist definitiv nicht für die Karibik gemixt worden. Was ein Spaß kann ich da nur sagen. Man hatte uns im Vorfeld gesagt, dass Antifouling zubekommen, schwierig und für unser Aluschiff sehr schwierig sei. Also haben wir es mitgebracht… (Im Marine Laden in Wilhelmstadt gibt es unser Antifouling, allerdings ist der Preis ungefähr doppelt so hoch)

Die Marina (Royal Marina) an sich ist einfach und eher rustikal. Alles ist in Containern untergebracht. Büro, Werkstatt und die sanitären Anlagen. Es gibt je eine Dusche mit Kaltwasser und das Toilettenpapier muss selbst mitgebracht werden. Das erinnert mich an Camping in meiner Kindheit. Der Platz an sich ist mit hellen Kies geschottert. Darauf fallen Schleifstaub, Muscheln, Pocken, usw. wenig auf.

Die zwei Ansprechpartner der Marina Juan und Paulina sind nett und hilfsbereit. Sie vermitteln unter anderen Kontakt zu den ortsansässigen Handwerkern/ Technikern und stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Neben uns steht ein anderes deutsches Schiff. Die PicaMares von Peter und Susanne. Die beiden haben wir das letzte Mal auf Tobago in Charlottesville gesehen. Wir freuen uns, die beiden wiederzutreffen. Nach getaner Arbeit sitzen wir abends regelmäßig zusammen und lassen den Tag ausklingen. Endlich kommt unser kleiner Holzkohlengrill zum Einsatz, der an Bord bisher noch nicht das Tageslicht gesehen hat. Abends, wenn alle Maschinen aus sind, die Dusche uns wieder in wohlriechende Menschen verwandelt hat, ist in der Marina zu Grillen für uns vier was Besonders. 🙂

Peter und Susanne haben ein Auto gemietet, um Besorgungen machen zu können. Die Marina liegt etwas ab vom Schuss. Wir dürfen mitfahren, wenn es zum Marine-Laden, Baumarkt oder Einkaufen geht. Das erleichtert uns das Leben, wofür wir ihnen sehr dankbar sind.

Noch etwas Schönes zum Abschluss: Helmar und Romana, die hier ein Haus auf Curacao besitzen, hatten uns zu einen chilligen Nachmittag bei sich eingeladen. Wir haben den Tag mit leckeren Essen und Trinken, einen Schnorchelausflug und entspannten Beisammensein sehr genossen. Die Arbeiten am Boot waren für diese Zeit weit weg.

Die Sache mit dem Schalthebel

Ein weiterer Punkt auf der ToDo- Liste in Barbados war der Austausch des Schalthebels. Warum?! Beim Betreten des Motorraums bin ich bei Seegang versehentlich auf den Schaltzug getreten und habe, ohne es zu merken, dabei das Rohr am Ende des Zuges verbogen. Das hat dann zur Folge, dass der Zug schwerer geht oder sich gar verklemmt. Wir haben das erst gemerkt, als wir den Gang mit den kombinierten Gas- und Schalthebel eingelegt haben. Die Mechanik darin ist das schwächste Glied in der Kette und ging dabei zu Bruch. Gut, jetzt lernt man in den Segel-Kursen, man soll sich mit seinem Motor auseinandersetzen und wissen, wo man am Motor schaltet und Gas gibt. Kein Problem, das wissen wir, sogar die Schaltstellungen habe ich im Motorraum beschriftet. Also einer fährt, und einer bedient im Motorraum die Hebel. Alternativ kann man auch hin und her „flitzen“. In der Praxis ist das um wieder in die Nähe der Zivilisation zu kommen in Ordnung, aber für Hafenmanöver ist das nicht praktikabel. Einen Workaround zu schaffen, war angesagt. Also habe ich auf der Passage die Backskiste ausgeräumt, den Schaltzug an der defekten Mechanik abmontiert, verlängert und zur Handbedienung aus dem Kasten geführt. Zum Schluss wurde noch ein provisorischen Knopf montiert.

Ankern ist damit wieder möglich. Das gelegentliche Verklemmen der Schaltung ist dabei kein Problem, aber wir verzichten erstmal auf enge Hafenmanöver ;-). Zudem braucht man „Schraubstockfinger“, um den Hebel zu bedienen. Da wir in Barbados sowieso auf das Visum warten wollten, haben wir das Ersatzteil bei Ina von Marine Power Solution bestellt, und das Teil und die benötigten Züge standen bereits eine Woche vor der Erteilung des US-Visa bereit :-).

Das Einbauen dauerte wieder länger, geschätzt hatte ich 3-4 Stunden. Letztendlich war es ein ganzer Tag, denn wenn man schon mal dabei ist, dann ändert man gleich die Längen der Züge und deren Führung. Sie sind dann bei anderen Arbeiten nicht mehr im Weg und gehen leichter, weil die Bögen runder sind.

Nach dem Einbau ging es zum Wochenende nach Port St.Charles zur Probefahrt und um die Wasservorräte wieder zu füllen.

Badeplattform repariert und wieder montiert

Der Schweißer hier in Teneriffa hat die Plattform wieder geschweißt. Er hat noch einige Verstärkungen vorgenommen. Die Montage am Heck über dem Wasser ist spannend und braucht viel Zeit. Das Risiko hier was im Wasser zu versenken, ist hoch, und das Tauchen im Hafen ist verboten. (Schade eigentlich.) Klebeband und Leinen zum Sichern der Teile und des Werkzeugs sind meine besten Freunde.  Die ganze Aktion hat in der Summe ca. 4 Tage gedauert. Windfahne demontieren, Plattform demontieren – 1 Tag. Dann Schweißer beauftragt. Er holt die Plattform ab und geht ans Werk. Er hat natürlich zig Aufträge gleichzeitig und will mindestens 4 Tage brauchen, kommt dann aber doch 2 Tage eher wieder. Eigentlich ist er fertig, allerdings hat er die Nylonhülse für das Tauchleitergelenk vergessen. Da er eh nochmal in die Werkstatt fährt, macht er gleich noch zwei Verstärkungsdreiecke rein. Er arbeitet flott und zuverlässig. Entsprechend sehen die Schweissnähte aus. Sie sehen nicht so schön aus wie von Adrian auf Mallorca. Das Montieren dauert nun auch länger als das Demontieren. Durch das erneute Schweißen hat sich die Konstruktionen etwas verzogen. Das erzeugt Spannung beim Einbau. Mit vereinten Kräften und 4 Händen, einer von Beiboot aus  die andere von Heck aus, wird die Plattform wieder am Boot befestigt. Sie sollte nun wieder halten und wir können unsere Windsteuerung wieder nutzen.

Gebrochen:

Verstärkt: