Als Leinenhandler durch den Panamakanal

15.02 – 18.02.2019Durch den Panamakanal, ja, das ist der eigentliche Grund unseres Aufenthaltes hier im Land. Aber nach unser Misere/ Unfall/ Mastbruch oder wie auch immer ist die Durchfahrt in weite Ferne gerückt. Wir werden erstmal in Panama bleiben und uns um unseren Schaden kümmern. Aber die Crews der Serenity und der Olena, mit denen wir zusammen durch den Kanal wollten, die werden den Kanal passieren. 2 Wochen nach unser Ankunft in Panama haben sie den Termin für die Durchfahrt.
Die Regularien der Kanalbehörde schreiben vor, dass sich an Bord eines Freizeitschiff (, also alles, was nicht Berufsschifffahrt ist) min. 5 Personen zu befinden haben. Der Skipper, (so wird der Kapitän in der Freizeitschifffahrt genannt,) der am Steuer steht und das Boot sicher durch den Kanal manövriert, und 4 Leinenhandler, die an jeder Seite vorne am Bug und hinten am Heck verteilt, das Boot während des Aufenthalts in den Schleusen mithilfe von insgesamt 4 Leinen auf Position hält. Die Schleusen sind für Containerschiffe gebaut, so sieht ein Segelboot darin schon ziemlich verloren aus. Um zu verhindern, dass während des Schleusens das Boot an eine Schleusenwand gedrückt wird oder sich gar dreht, wird über 4 Leinen am Boot die Position in der Schleuse gehalten. Dabei sind die Leinen oben am Schleusenrand befestigt und am Boot wird jeweils Leine zugegeben oder angezogen.
Wir werden als Leinenhandler auf der Serenity mit durch den Kanal gehen.
Am Tag vor der Durchfahrt fahren wir nach Colon mit dem Bus, um die beiden in einem großen Supermarkt zu treffen. Hier wird ordentlich proviantiert, denn die Crew an Board will versorgt werden. Susi und Jost arbeiten ihren Einkaufszettel ab. Wirklich helfen können wir ihnen nicht, zum einen kennen wir nicht genau die Vorlieben der beiden für diverse Produkte, noch kennen wir uns in diesem Supermarkt aus. Der Einkauf, er umfasst einige große Tüten, wird zusammen mit uns in ein Taxi geladen und es geht in die Shelter Bay Marina. Wir fahren aus Colon raus in Grüne, um uns herum wird an der Straße gebaut, und dann halten wir mitten im nirgendwo. Wir warten auf die Fähre, die uns an andere Ufer bringen soll. Dazwischen ist die Einfahrt zum Panamakanal. Es fahren viele Containerschiffe auf dem Wasserweg, so dass es lange dauert, bis wir endlich auf der Fähre sind und sie uns auf das andere Ufer übersetzt. Wir erfahren, dass die Fähre durch eine Brücke ersetzt werden soll. Die Brücke steht auch schon, aber die Zufahrtsstraßen müssen erst noch genau werden, darum auch die viele Baustellen auf dem Weg.
Die Marina liegt am Rande eines Militärgebiets. Wir passieren einen Militärcheckpunkt und fahren nun auf holprigen Straßen vorbei an verlassenen Gebäuden. Je näher wir der Marina kommen, desto Schlagloch belasteter ist die Straßen. Das Taxi nutzt die komplette Fahrbahn, um sich einen möglichst planen Weg zu bahnen. Nachdem wir angekommen sind und alle Lebensmittel ins Boot gebracht haben, verschwindet Susi in der Küche, um für morgen Abend das Essen vorzukochen (dazu gleich mehr). Der Abend klingt gemütlicher Runde zusammen mit der Crew der Olena und den anderen Leinenhandlern aus.
Am nächsten Morgen herrscht Betriebsamkeit. Die Leinen werden in großen Achten gelegt, um später ohne Verknoten schnell über Bord gehen zu können. Die Reifen, die als Fender für die Überfahrt dienen, werden an beiden Bordseiten befestigt. Andy fährt mit dem Beiboot, dass mit Reifen und Seilen beladen ist, zur Olena. Sie bekommen so auch ihre Kanalausrüstung. Die Zeit bis Mittag verfliegt schnell. Das fünfte Crewmitglied, eine Segler aus der Marina, kommt an Bord und dann ist es soweit, es geht los. Die Spannung bei Susi und Jost steigt. Wir verlassen den Hafen, um am Treffpunkt vor der Marina in Warteposition zu legen. Der Start der Durchfahrt ist für den frühen Nachmittag vorgesehen. Zusätzlich zur Crew bekommt jedes Boot von der Kanalbehörde einen Advisor, in der Berufsschifffahrt heißen sie Pilots (Lotsen), gestellt. Er wird den Skipper des Boots bei der Durchfahrt unterstützen. Die Verantwortung für das Boot und damit auch die Befehlsgewalt bleibt beim Skipper. Was er ansagt, macht die Crew des Bootes.
Die Wartezeit bis zum Eintreffen des Advisors wird genutzt, um Jost das das eine oder andere Mal hochleben zu lassen. Er hat Geburtstag, einen runden, und hat sich die Kanaldurchfahrt als Geschenk organisiert. 😉Die Advisor werden via Booten der Kanalbehörde an Bord gebracht. Neben uns liegen noch weitere Boote, die ebenfalls heute durch den Kanal fahren. Auf allen Booten wird jeweils ein Advisor abgesetzt. Nach eine kurzen Begrüßung und Vorstellung erfahren wir, dass wir in der Schleuse als Päckchen bestehend aus 3 vertauten Booten sein werden. Die Olena, als Kat, in der Mitte. Durch die 2 Motoren kann sie am besten Richtungskorrekturen vornehmen. Auf die Backbordseite (links) kommt die Serenity und steuerbord (rechts) kommt ein uns unbekanntes franzözisches Boote längs. Das Päckchen wird kurz vor den Schleusen „geschnürt“. Die Fahrt bis dahin fährt jedes Boot alleine.
Die Advisor kommunizieren mit der Kanalbehörde und untereinander auf unterschiedlichen Kanälen über Walkie Talkies. So werden sie über Verzögerungen bzw. Änderung im Ablauf im Kanal informiert und können sich auch untereinander absprechen.
Als die Info zur Schleusung kommt, packen wir das Päckchen und fahren anschließend in Richtung Schleuse. Am Eingang stehen zu beiden Seiten Kanalmitarbeiter. Sie schleudern jeweils 2 dünne Seile, an deren Ende eine Affenfaust (ein Knoten mit Stahlkugel als Gewicht) sitzt, an Bord. Mit ihnen werden die Leinen des Bootes für Bug und Heck verknoten und zurück in Wasser geschmissen. Die Mitarbeiter ziehen die Leinen zu sich, um sie nach Fahrt in die Schleuse oben am Schleusenrand zu befestigen.
Da wir als Bootspäckchen unterwegs sind, werden insgesamt nur 4 der 12 Leinenhandler zwingend aktiv gebraucht. Auf der Serenity und dem französischen Schiff müssen jeweils 2 Personen Leinen bedienen. Den Job bekommen selbstredend die Herren. Die Damen dürfen hilfreich zur Seite stehen, Fotos machen oder beobachten. Auf der Olena muss niemand Leinen führen, da sie ja in der Mitte sind.
Vor uns liegt ein großes Containerschiff und ein mittleres Boot in der Schleuse. Die Tore werden geschlossen und fallen mit einem satten Geräusch „ins Schloss“. Ungefähr 8m über uns befindet sich der Schleusenrand. Neben und hinter uns können wir auf nasse Betonwände bzw. Metall starren. Es geht los. Der Eindruck entsteht, dass das Wasser brodelt und kochend in die Schleuse gedrückt wird. Im Boot kann man das Beben des Wasser spüren. Der Wasserspiegel steigt und hebt alle Fahrzeuge langsam an. Andy steht vorne am Bug und führt eine Leine. Die Leinen sollten sowohl am Bug als auch am Heck leicht gespannt sein, um die Position parallel zur Wand zu halten. So werden binnen weniger als 10 min sind die ersten 8m überwunden. Oben angekommen, werden die Leinen fixiert und wir warten. Als sich das Containerschiff den Fortwärtsgang einlegt, um die Schleuse zu verlassen, entsteht eine gewaltige Verwirbelung im Becken. Wären die Schiffe nicht fixiert, könnten sie leicht nach hinten gegenlas Schleusentor getrieben werden. Als das Schiff raus ist und sich das Wasser beruhigt hat, werden die Leinen am Schleusenrand gelöst und wir können weiterfahren…in die nächste Schleuse. Die Kanalmitarbeiter nehmen das Ende der Leinen auf und laufen am Rand mit zur nächsten Schleuse. Insgesamt überwinden wir auf diese Art 3 Schleusen und damit ca. 25m Höhenunterschied hinauf in den Gatun-See.
Die großen Kontainerschiffe haben keine Leinenhandler, bei ihnen übernehmen diesmn Job mehrere kleine speziell dafür angefertigte Loks (min. 4 Stück). Wenn eine Lok ihre Position zur Stabilisierung des Schiffs erreicht hat, gibt sie ein helles akustisches Signal von sich – bing, bing. Ich mag den Klang, er vermittelt Bewegung und Kontinuität.
Als wir die letzte Schleuse passiert haben, ist es bereits dunkel geworden. Am Ausgang wird das Bootspäckchen wieder in 3 Boote getrennt und wir fahren auf dem Stausee zu einer großen Boje und machen dort mit der Olena zusammen fest. Der Advisor verlässt hier das Boot und wir feiern in die Nacht hinein. 😉Am nächsten morgen pünktlich um 07:30 Uhr geht es weiter. Der eine oder die andere sieht, als er/sie an Deck kommt, etwas verknautscht aus. Die Feier war also gut. Ein neuer Advisor betritt das Boot und wir machen und auf den Weg. Am Rand des vorgeschriebenen Wasserwegs motoren wir auf den Gatun-See in Richtung Pazifik. Die Fahrbahnmitte ist für die großen Schiffe reserviert. Es ist sonnig, kein Wölkchen am Himmel und warm. Wir verkriechen uns in den Schatten. „Gibt es im See Krokodile?“ fragen wir den Advisor. Ja, die gebe es, bekomme wir zur Antwort. Im folgenden beobachten wir die Ufer des Sees genau. Wir wollen eins finden. Und wir haben Glück, nicht weit von der ersten Schleuse entfernt, liegt ein Tier am Strand. Der Advisor hat es entdeckt. Vögel fliegen um das Tier herum, so dass wir von der Vermutung, die Kanalverwaltung als Attraktion eine Attrappe installiert hat, Abstand nehmen.
An der Schleuse angekommen, vertauen wir uns erneut zu einem Bootspäckchen. Heute werden nur die Olena und die Serenity zusammen durch die Schleusen fahren. Wir fahren in die Schleuse ein, nachdem wir wieder von den Kanalmitarbeiten am Rand mit einer Affenfaust die Seile zugeworfen bekommen haben, damit unsere Leinen an der Schleusenwand befestigt werden können. Diesmal sind wir ganz vorne am Schleusentor, hinter uns soll ein Containerschiff einfahren. Das braucht aber noch etwas und so essen wir unser Mittagessen in der Schleuse.
Apropos Essen… Die Regulären der Kanalbehörde schreiben ebenfalls vor, dass der Advisor mit Essen und Getränken zu versorgen ist. Es hat min. ein vollwertiges warmes fleischhaltiges Gericht zu geben. Sollte dies nicht der Fall sein oder die Qualität nicht genügen, kann der Advisor sich ein Essen via Kanalschnellboot liefern lassen. Die Kosten dafür trägt der Skipper. Also besser keinen fleischfreien Rohkosttag beim Essen einlegen. 😉
Das Containerschiff ist so groß, dass es bei der Einfahrt in die Schleuse von einem Tug-Boat/Schlepper seitlich an den Schleusenrand gedrückt wird. Tug-Boats sind im Vergleich zu den Schiffen kleine Kraftboliden, die die Schiffe durch drücken bzw. schieben in die richtige Position bringen. Es ist großes Kino, als sich das Containerschiff uns langsam und unaufhaltsam nähert. Gefühlt in 3m Abstand kommt es hinter uns zum Stillstand. Es wirkt als ob zwischen Containerschiff und der Wand kein Platz ist. Wieder dabei sind die Loks und ihr „bing, bing“.
Es geht abwärts. Diesmal haben die Leinenhandler (heute auch wieder die Männer) mehr zu tun als am Tag davor. Das Päckchen tänzelt beim Weg nach unten mehr als rauf. Anders als beim Weg rauf sind die 3 Schleusen nicht direkt nacheinander, sondern Schleuse 1 und 2 sind über einen See verbunden. An der letzten Schleuse, der Miraflores Schleuse, können Touristen auf mehreren Balkonen das Schleusen von Booten und Schiffen zuschauen. Auch gibt es einen Webseite, auf der man das Geschehen, über eine Webkamera verfolgen kann.
Als wir in die letzte Schleuse einfahren, ist die Spannung und Vorfreude besonders bei den Eignern der Boote spürbar. Noch eine Schleuse trennt sie vom stillen Ozean, dem Pazifik. Sie fiebern dem Ende entgegen.
Bei der letzten Schleusung hat man schon sowas wie Routine und es geht leicht von der Hand. Und dann ist es soweit, das Tor öffnet sich und der Pazifik liegt vor uns.Die Boote werden getrennt, die Advisor verabschiedet und gehen von Bord, der Weg führt unter der Puente Americana durch hin zum Ankerplatz. Nachdem der Anker fallengelassen ist, treffen sich alle auf der Olena zum ersten Ankerbier im Pazifik. Zur Feier des Tages werden auch Korken knallen gelassen. Juhu, geschafft.
Ein Teil der Leinenhandler verlässt noch am gleichen Abend das Boot zurück nach Colon.
Wir bleiben noch eine Nacht und lassen den Abend gemeinsam ausklingen. Am nächsten Morgen brechen auch wir auf zurück zu Pico. Die Stimmung ist wehmütig, da wir nun für eine lange Zeit nicht mehr sehen werden. Und dabei wollten wir doch zusammen durch.
Egal, mit einem weinenden Auge zum Abschied und einem lachenden Auge über das Wissen, dass wir uns in der Südsee wiedersehen werden, verabschieden wir uns rein nach Panama-City und weiter nach Portobelo.

Willkommen in Panama

09.02.2019 – 11.02.2019

Puh, wir sind in Panama.
Es ist Samstagmorgen als wir zu ersten Mal den Kopf rausstrecken und uns bei Tag umsehen. Die Bucht ist weitläufig. In der rechten „Ecke“ von See her schauend liegt der Ort Portobelo. Man kann dicke Mauerreste erkennen und kleine flache Häuser, die im Vergleich zu den Mauern wie kleine Farbtupfen wirken, die mal rausschauen. Ein Kirchturm ist weiter entfernt auch zu erkennen. Es scheint eine Straße direkt an der Bucht vorbei zuführen. Wir können die Fahrzeuge hören und für einen kurzen Moment auch sehen. Die Ränder der Bucht, deren Hänge und das Hinterland erstrahlen in grün. Früh am Morgen war auch Tiergebrülle zu hören. Im Grün lebt also einiges.
Es liegen einige Fischer- und Segelboote in der Bucht. An einem relativ großen Steg sind Fischerboote festgemacht. Von dort aus starten sie schon zu relativ früher Stunde mit Touristen an Bord und rauschen an uns vorbei (und kommen natürlich auch wieder zurück).

Wir verschicken eine letzte Postionsinfo an SAR Panama und bedanken uns für ihre Unterstützung.
Danach melden wir uns per Funk bei Alex. Er hat hat für uns in der Nacht zuvor das AIS als Positionsunterstützung an gehabt. Mit ihm verabreden uns für die üblichen Formalitäten. Ja, wie in jeden Land müssen wir auch hier einklarieren. Zwar haben wir als einreisendes Boot dazu 72 Stunden Zeit, aber wir wollen es gerne zügig erledigen.
Als Alex uns mit seinem Beiboot abholt, freuen wir uns riesig ein bekanntes freundliches Gesicht zu sehen.
Wir sind ihm dankbar, dass er uns bei den Formalitäten unterstützt und uns zeigt, wo wir hin müssen. Neben der normalen Einreise und Zoll (Immigration/ Customs), brauchen wir auch für Pico eine Fahrerlaubnis für die panamaischen Gewässer, ein sogenanntes Cruising Permit. Leider kann man nicht alles an einem Ort machen. Das Cruising Permit stellt die Port Authority in der Linton Bay Marina, knappe 20km entfernt, aus. Das heißt, wir müssen auf jeden Fall Taxi fahren.
Um es kurz zu machen – wir haben kein Glück. Beide Behörden sind am Wochenende geschlossen und wir dürfen am Montag einen neuen Versuch starten.
Später lernen wir noch, dass man erst die Einreise und den Zoll erledigen muss und sich erst danach das Cruising Permit ausstellen lassen kann.

Im Ort selbst gibt es mehre Einkaufsmöglichkeiten, aber anders als ich erwartet hatte, sind das kleine Supermärkte mit einem eingeschränkten Sortiment. Die großen sind in Sabanitas, einem Vorort von Colon, zu finden. Das uns uns aber erstmal egal. Von Bonaire haben wir genug Vorräte mitgebracht, so dass wir nicht zwingend einkaufen gehen müssen.
Wir wollen uns eine lokale SIM-Karte fürs Handy kaufen. Das Internet in der Bucht soll in LTE-Geschwindigkeit (4G) ausgebaut sein, wobei es auch des öfteren mal ausfallen soll. Egal, zum Mails schreiben wird es hoffentlich reichen. Die Karte an sich ist schnell gekauft, Geld auf den Tisch legen, den gewünschten Provider (Movil, Claro oder Digicel) nennen und die SIM entgegen nehmen. Dokumente ausfüllen, Pass vorzeigen… all sowas ist nicht notwendig. Kostenpunkt 1-2 US Dollar. Aufwendiger wird es im Anschluss den gewünschten Tarif auszuwählen. Es stehen mehrere Option zur Verfügung, aus der man das passende wählen kann. Allerdings ist die Beschreibung (auch in der App) nur auf spanisch. Ähm ja, spricht hier jemand englisch?! Mein „Guten Tag, wie geht’s“ auf spanisch reicht für das Verständnis der Tarife nicht aus. Und nein, um uns herum nur freundliche spanisch sprechende Menschen. Wenn wundert es, in Panama ist die Landessprache spanisch. Mit Google Translate und Unterstützung der Ladeninhaber, die wahlweise spanisch oder chinesisch sprechen, schaffen wir es, einen Tarif zu finden. 30 Tage LTE unlimited für 20 US Dollar.

Auf dem Rückweg zu unserem Boot sehen wir die Schäden von Pico zum ersten Mal bewusst vom Wasser aus. Mmmh, toll ist anders. Aber schlimmer geht immer.
Bis unser Rigg wieder steht, haben wir nun wohl eine Motoryacht.

Der erste Blick in unser Mailpostfach zeigt, dass sich unser Kasko-Versicherung gemeldet hat. Sie haben die Info von unser Schadensmeldung auf See erhalten und wollen nun wissen, wie sie uns helfen können.
Ok, wir brauchen ein neues Rigg. Die Schadensregulierung kann beginnen.

*Bilder von Pico als Motoryacht stammen von Laure – SY Olena

Mastlos geht es weiter

06.02.2019 – 08.02.2019

Fortsetzung von „Ab ist der Mast

Der ruhigste Kurs ist, Wind und Wellen von hinten zu nehmen. So haben wir haben unseren alten Kurs Richtung Panama wieder aufgenommen, denn er erfüllt die Kriterien. Durch das Fehlen unseres Riggs hat sich der Schwerpunkt und auch die Gewichtsverteilung geändert. Pico verhält sich ungewohnt. Die Bootsbewegungen fühlen sich irgendwie seltsam und fremd an.
Auf unseren Mast waren die Antennen für Seefunk, AIS und der Windgeber montiert. Nun liegen sie im Meer . Die Geräte haben wir noch, aber ohne Antenne sind sie nutzlos. Radar ist zum Glück auf dem Geräteträger montiert. Den Nahbereich können wir mit Handfunkgerät und normalen Ausguck sicherstellen, aber über größere Entfernungen, alles was über größer 2 sm hinausgeht, das geht nun nur noch mit dem Radar. Haben wir uns vorher manchmal gefragt, warum wir monatlich das Geld in ein Satellitentelefon mit Vertrag stecken, sind wir nun froh eines zu haben.
Auch wenn es momentan so aussieht, als hätten wir wieder die Kontrolle über die Situation, so ganz trauen wir der Sache nicht. Was ist, wenn es doch zu einem Wassereinbruch kommt, der Motor versagt oder …. ?! Immerhin hat das Rigg über eine Stunde bei jeder Welle an den Rumpf geschlagen. Wir entscheiden uns über das Satellitentelefon, die deutsche Seenotstelle in Bremen, SAR Bremen, anzurufen. Wir wollen sie als Vorsichtsmaßnahme über unseren Situation informieren. Bei Ihnen würde auch der Notruf unserer Not-Boje eingehen. Sollte es zu einem Notfall kommen, könnten die Maßnahmen schneller eingeleitet werden.
Bremen nimmt für uns Kontakt zu den Seenotstellen in Kolumbien und Panama auf, die sich im folgenden bei uns melden.
Auch informieren wir unseren Notfallkontakt … und unsere Versicherung. Ist das typisch deutsch?! Keine Ahnung, aber in dem Moment fühlt es sich logisch an.

In der ersten Nachtwache installiert Andy eine provisorische Antenne am Cockpitdach. Damit kann Funk und das AIS wieder mit den eingebauten Geräten in Betrieb genommen werden, wenn auch die Reichweite nicht mit der auf dem Mast zu vergleichen ist. Aber das ist zweitrangig, wir können nun wieder mit etwas größerer Reichweite mit anderen Schiffen kommunizieren und das was man mit den Augen und dem Radar sieht, besser im AIS zuordnen. Die Antenne hatte Andy letztes Jahr von einem anderen Segler erstanden. Damals fand ich die Idee in Ordnung, aus heutiger Sicht finde ich sie brillant. Sie ist besser als die winzigen Notantennen oder das Handfunkgerät. So kann sich die Sichtweise verändern.

Danach verläuft die Reise ruhig. Beide sind wir nicht besonders gesprächig und hängen unseren Gedanken nach. Aber es gibt eigentlich nur ein Thema, dass uns beschäftigt – der Mastbruch. Wie ist das passiert? Was ist gebrochen bzw. was hat den Mastbruch verursacht?
Die Segelkonfiguration haben wir bereits auf der Atlantiküberquerung eingesetzt und sie hat sich dort bewährt. Änderungen daran haben wir nicht vorgenommen.
Vor unserer Abfahrt auf Curacao hatten wir einen Rigger mit einem Riggcheck beauftragt, er hatte uns (auch schriftlich) bestätigt, dass unser Rigg in guten Zustand ist. Ihm war auch aufgefallen, dass die Wanten (also die Stahlseile) noch recht neu sind. Wir haben sie vor unser Abfahrt in Europa erneuern lassen. Das war eine Bedingung unserer Versicherung.
Die Maschine läuft stetig vor sich hin. Die Strömung schiebt uns ebenfalls weiter konstant Richtung Panama, so dass wir einen guten Tagesschnitt an zurückgelegten Meilen machen.
Haben wir vorher ein- bis zweimal täglich in die Bilge geschaut, um zu prüfen, ob sich dort Wasser gesammelt hat, machen wir das nun alle 3 Stunden. Jedes Mal ist es eine kleine Erleichterung die Bilge trocken zu sehen. Täglich kommunizieren wir mit der SAR Panama, der wir auf deren Bitte hin ein Mal am Tag unsere aktuelle Position schicken. So wissen sie Bescheid, sollte bei uns doch ein Notfall auf treten, in welchem Gebiet wir zu finden sind. Eine weitere Kleinigkeit, die uns irgendwie ein besseres Gefühl gibt.
Die 350sm legen wir in 2,5 Tagen zurück.
In der Nacht vom 08.02.2019 erreichen wir Panama. Wir haben uns nach Rücksprache mit einem befreundeten Segler, Alex von der Gemos, entschieden, Portobelo anzulaufen. Er ist schon geraume Zeit dort vor Anker und hat von uns per E-Mail vom Mastbruch erfahren. Er hat uns die Position seines Ankerplatzes gegeben sowie die Einfahrt beschrieben, so können wir uns anhand seiner Position, in der (großen) Bucht bei Dunkelheit einen passenden Ankerplatz für unsere demolierte Pico suchen.
Wie erwartet, kommt uns die Größe der Bucht in der Dunkelheit beim Einlaufen viel flacher und kleiner vor, als sie in Wirklichkeit ist. Das Phänomen kennen wir bereits aus anderen Nachtanfahrten z.B. Cariacou/ Grenada. Wir tasten uns langsam hinein. Desto weiter wir in die Bucht hineinfahren, desto mehr verflüchtigt sich der Eindruck des Flachen und Kleinen. In der Nähe von Alex finden wir einen geeigneten Platz und werfen den Anker. Der Grund scheint sehr gut zu sein, der Anker hält sofort.

Juhu, Erleichterung macht sich bei uns breit, wir haben Panama erreicht!