April 2019:

Da sind wir also….in Panama.
Das Land, dass eine Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika bildet und im Osten mit der karibischen See und im Westen mit dem Pazifik verbunden ist. Das Land, in dem wir uns gar nicht lange aufhalten wollten. Proviantieren, ab durch den Panamalkanal und weiter in die Südsee – so war der Plan.
Ach, schöner Gedanke, aber nun gut, was nicht is, das is nicht.

Wir werden wohl etwas mehr Zeit hier verbringen. Also, sollten wir uns einleben.
In Panama wird spanisch gesprochen. Anders als in Spanien selbst, wo das „R“ stark gerollt wird, die Aussprache stärker akzentuiert und mit Gestik der Sprache zusätzlich Emotion eingehaucht wird, wirkt die Sprache hier weicher und fließender. Leider, denn ich verstehe nix. Waren das ein oder zwei Wörter oder gar ein ganzer Satz?! Hinzu kommt, dass mein Spanisch aus Schulzeiten stammt und ich mich an 80% dran nicht mehr erinnere.
In Reiseführern steht, dass in Panama an vielen Stellen auch englisch gesprochen wird. Stimmt, überall dort, wo mit Touristen oder international Handel getrieben wird. Der Funk im Panamakanal zum Beispiel wird nur in Englisch geführt. Den verstehe ich.
Das tägliche Leben spielt sich aber ausschließlich auf Spanisch ab. Egal, ob im Supermarkt oder in Geschäften, auf der Straße, im Bus oder oft auch im Taxi es muss Spanisch sein.
Mit „Hola“ oder „Buenas“ starten wir, gehen dann über, unser Hände und Füße einzusetzen. Google Translate leistet uns des öfteren gute Dienste. In der Regel sind die Locals/ Einheimischen freundlich und hilfsbereit, denn wir geben alles und bemühen uns, uns verständlich zu machen. Aber, ehrlich gesagt, nervt es schon, bei Kleinigkeiten einen gefühlten Staatsakt zu veranstalten, um ans Ziel zu kommen.
Also lerne ich wieder Spanisch. Mit der Handy App Duolingo und weiteren Sprachführern verbringe ich täglich Zeit und übe.
Erst kann ich einen Satz von mir geben, bevor mich der Redeschwall meines Gegenübers in das Meer der Unwissenheit spült. Wurde zustimmend genickt, fragend geguckt oder verneint? Wurde verstanden, was ich wollte?! Ja, das darf ein jeder durchmachen, der eine Fremdsprache lernt. Ich weiß.
Desto mehr hab ich mich gefreut, als ich Markus, Skipper der Kisu, bei der Reparatur eines gebrochenen Metallbolzen mit meinen „ausgewiesenen“ Spanisch- Kenntnissen helfen konnte. 😉

Ein Metallbolzen, der auf eine Seite ein Gewinde hat und auf der anderen Seite ein Vierkant hat, war am hinteren Teil des Gewindes abgerissen. Dieser Bolzen bildete die Verbindung zwischen der Hydraulik und der Steuereinheit des Autopiloten. Ohne diese Verbindung ist der Autopilot nutzlos, er funktioniert nicht mehr und es muss dauerhaft per Hand gesteuert werden. So wird Langfahrtsegeln auch wieder zum Sport!
In Europa würde man einfach einen neuen Bolzen bestellen und einbauen. In Panama hatte Markus Probleme den Bolzen überhaupt bestellt zu bekommen. (Zwischenzeitlich wurde er Bolzen durch einen neuen ersetzt.)
Die beiden Herren, Markus und Andy, sinnierten darüber, dass man den abgerissenen Teil wieder anschweißen könnte. Zwar müsste etwas von den Gewinde abgeschliffen werden, damit die Schweißnaht hält, aber ein ordentlicher Schweißer mit dem entsprechenden Material müsste sowas können.
Mmh, hier in Portobelo sind Werkstätten, also Orte, die wir als solches erkennen würden, eine Rarität. Deswegen könnte es etwas schwieriger werden, eine geeignete Werkstatt zu finden. Von einem anderen Segler, man tauscht sich ja aus, wissen wir, dass einer im Ort sowas machen können soll.
Wir machen uns morgens zu viert auf den Weg. Markus, der betroffener Skipper, Andy, der Berater, Gaby, die Gruppenbeauftragte und ich als Dolmetscher.
Auf der Veranda/ Hof/ Haus und Hofstatt sehe ich eine ältere Frau und einen Mann draußen stehen. Ich spreche, den Mann an.

„ Hallo, guten Tag.“
– „Hallo…“
„Ich suche eine Person, die schweißen kann.“
– „Ok, was ist kaputt? Was soll gemacht werden?“
Markus holt nach meine Aufforderung die 2 Teile des Bolzen aus der Tasche und zeigt es dem Mann.
„Das muss geschweißt werden.“
– „Für was ist das? Ein Auto?“
„Nein, es ist für ein Boot für einen Autopiloten.“
– „Bla, blubb, blubba,…rund…, diblubb, …kurz..“
Schande, was will der Mann mir sagen?! Er zeigt auf das Gewinde, dreht die Mutter auf dem Gewinde und macht eine rotierende Bewegung. Das Meer der Unwissenheit umgibt mich für einen Augenblick. Rund und kurz?! Ich frage in die Runde. Andy reagiert und meint, dass nur der obere Teil des Gewindes gebraucht wird. Verstehe.
„Die Sache (ich meine die Mutter) braucht man nur bis da.“ Ich zeige auf einen Punkt auf den Gewinde.
– „Ok, aber…. bla, bubb,….glatt…“
„Ja, das ist ok. Schleife „ (ich zeige untere Ende des Gewindes und forme ein Dreieck mit meinen Händen) „und dann ab dort bitte schweißen.“
Der Mann schaut die Herren an. Beide vollziehen eine ähnliche Handbewegung und nicken.
„Schleifen und schweißen.“
– „OK“
Er dreht sich um.
„Ähm, weißt Du jemanden, der das kann?“
– „Ja, klar.“ und lacht.
Er geht zum Auto und ich hebe die Hand, um nachzufragen, wo er hin will. Aber er öffnet die Tür und holt eine Flex raus. Er bringt sie zu eine Tisch und beginnt zu arbeiten.
Alles klar, das nennt sich dann wohl konkludentes Handeln. Er ist der, den wir gesucht haben.
In in den folgenden 45 min werden wir Zeuge seiner Arbeitsweise. Er schleift den hinteren Teil spitz an, damit er mit dem Schweißgerät Material auftragen kann und geht dann zwischen durch immer wieder zur Flex, um die Schlacke zu entfernen. So wird Schicht für Schicht aufgetragen. Am Ende bekommt Markus den geschweißten und geschliffenen Bolzen zurück. Er sieht gut aus.
Ich werde wieder hinzugezogen, um zu übersetzen.
– „Ok so?“
„Ja, das ist gut, perfekt. Was kostet das?“
Er sagt uns den Preis, ich übersetze für Markus, worauf er ihn bezahlt. Er ist zufrieden, es ist genau das, was er wollte und die Arbeit wurde sauber erledigt. Zu Beginn hatte ich nicht mit einem so reibungslosen Ablauf gerechnet, weder das das mit dem Übersetzen so gut klappt, noch das wir genau den richtigen Mann dafür gefunden haben.

Ich hab mir mein Kaltgetränk verdient. Ein Schleifchen ist in meinen imaginären Kalender eingetragen, mein Highlight des Tages.

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