Der Weg zum US-Visa

Ein Grund, warum wir lange auf Barbados sind, ist, dass wir ein US Visa (B1/B2) beantragt haben. Anders als bei einer Flugreise, wo man bei der Einreise in die USA ein ESTA- Visum erhält, brauchen wir, sobald wir US Territorium mit dem Boot anlaufen, ein gültiges Visa. Ansonsten könnte uns die US Coast Guard mit einer saftigen Geldstrafe belegen und uns die Einreise verbieten. In der Karibik gehören Puerto Rico und die American Virgin Islands zum US Raum. In Deutschland ist uns irgendwann einfach die Zeit davongelaufen, so dass wir uns nach Alternativen umgesehen haben. In der Karibik gibt es auf Barbados und auf Trinidad jeweils eine US-Botschaft. In Berichten von anderen Segelern hatten wir gelesen, dass die US Botschaft hier in Barbados mit Segelern vertraut ist und das Procedere zeitnah durchgeführt werden kann.

Also haben wir gleich nach unserer Ankunft eine Daten-SIM von Flow gekauft, um das Online Formular auf der US Webseite auszufüllen. Leider hat die Flow Karte nicht gut mit unseren Handys zusammengearbeitet. Das Internet war grottenlangsam und teilweise funktionierte der normale Webseitenaufbau nicht. Es hat uns Nerven gekostet, die Formulare auszufüllen, aber irgendwann (nach insgesamt 3!!! Tagen) hatten wir es geschafft und konnten einen Termin für ein persönliches Interview in der US Botschaft vereinbaren. Der früheste Termin war der 14.02.18. Früh bzw. kurzfristig definiere ich anders, aber gut, wir wollen das Visa, also übten wir uns in Geduld….

Gestern war es dann soweit. Um 9:15 Uhr hatten wir den Termin. Tags zuvor waren wir am Busterminal und haben dort gefragt, welche Linie wir zur Botschaft nehmen müssen und wann der Bus fährt. So informiert, sind wir morgens um halb acht ins Beiboot, um quer durch die Bucht zu tuckern. Der Wind hatte schon angefangen zu wehen, so dass die Wellen ordentlich vorhanden waren. Andy ist langsam gefahren. Wir wollten nicht zu nass bzw. mit Salzwasser besprenkelt werden. Die weißen Flecken, die beim Trocknen zurückbleiben, wollten wir nicht auf den Klamotten haben. Hätte vielleicht einen falschen Eindruck wecken können. Pünktlich um acht waren wir am Bussteig und haben uns in die Schlange gestellt…. und warteten und warteten. Als um zwanzig nach immer noch kein Bus zu sehen ist, die Leute aber alle ganz entspannt blieben, haben wir eine Schülerin gefragt, wann denn der Bus normalerweise fährt. Daraufhin hat sie gelacht und gemeint, der Bus sei in der Regel etwas später dran. Mmh, das war uns etwas zu heiß, also sind wir Richtung Taxi aufgebrochen. Ich hab mich gefragt, wie die Leute, die auf den Bus angewiesen sind, mit den Verspätungen der Busse umgehen. Während wir dort standen und gewartet haben, kamen mehrere Busse, die bereits eine halbe Stunde vorher abfahren sollten. Planen sie mehr Zeit vorab ein, oder sagen in Schule/ Job “Sorry, Bus kam zu spät”?! Das Taxi wollte für die Fahrt 20$, der Bus hätte uns zusammen 4$ gekostet. Nun gut, bevor wir zu spät kommen, rein ins Taxi und los. Es war Rushhour, darum hat der Weg für die 5,5km eine gute Viertelstunde gedauert. Anders als in Berlin, wo die Straße vor der US Botschaft komplett für den Verkehr gesperrt ist, waren in dem Business Park mehrere Firmen angesiedelt und die Botschaft am Kopf des Parkplatzes. Am Eingang wurden erstmal unsere Papiere geprüft. Unsere Wertsachen konnten wir in einem Schließfach deponieren. Wichtig, nicht zu schnell agieren oder den nächsten Schritt vorab Bedenken. Das macht verdächtig. Nachdem ich den Schlüssel bekommen hatte, hab ich gewartet bis mir der nächste Sicherheitsbeamte ein Zeichen gab und ich bin weiter zur Personenkontrolle. Dokumente, Schlüssel, usw. werden wie am Flughafen durch einen Scanner geschleust. Mein Gürtel war aus Plastik, so dass ich ihn anbehalten durfte, nachdem mich die Beamtin danach gefragt hat. Andy hat diskutieren dürfen, er hat von sich aus ohne Aufforderung gesagt, er sei aus Plastik… verdächtig! Also weiter in den nächsten Raum und dann noch einen weiter. Hier durften wir uns anstellen, um die Pässe, weitere Unterlagen und unsere Fingerabdrücke abzugeben. Peter und Kathrin von der SY Florentine hatten uns erzählt, dass ihr Interview in München sehr formal und strikt abgelaufen ist. Dementsprechend hatte ich mich darauf eingestellt. So war ich überrascht, das Andy und ich zusammen am ersten Schalter standen und unsere Pässe abgegeben haben. Leider war die Dame am Check-in nicht mit meinen Passfoto zufrieden. Meine Ohren seien nicht genug zu sehen, ich bräuchte neue Bilder. Sie nannte mir ein Einkaufszentrum, wo ich mit dem Taxi hin sollte. Das Foto hab ich im August für meinen deutschen Reisepass genutzt und in der Online Prüfung auf der US Webseite war das Foto akzeptiert worden. Zählt aber alles nix, also den ganzen Weg zurück, raus aus der Botschaft zu den Taxis, gespannt, was die Fahrt hin und zurück kosten wird. Pro Fahrt wollte der Fahrer 20$ haben. Dass Andy hat mich begleitet hat, hat zum Glück den Preis nicht verändert. Im Einkaufszentrum gab es einen Fotoladen. Würde mich nicht wundern, wenn der mit der US Botschaft eine Kooperation eingegangen ist. Der Blitz der Kamera war ohne Filter direkt auf mich gerichtet. Das hat man auf den Bilder gesehen, die Sonnenmilch hat mir weiß glänzende Stellen im Gesicht beschert. Das Makeup habe ich natürlich zu Hause gelassen. Irgendwie sehe ich auf den Fotos leicht gequält kränklich aus, aber meine Ohren sind voll sichtbar. Wieder zurück, durch die Schleusen, das Foto beim Checkin abgeben und im Warteraum Platz genommen um auf den Aufruf zum Interview zu warten. Die werden wieder an einem anderen Schalter geführt. Blaue Passierscheine bedeuten bestanden, gelbe abgelehnt. Während wir warten, werden beide Farben an Personen ausgehändigt. Wir wurden wieder zusammen aufgerufen und der Herr hinterm Schalter führte mit uns eine lockeres Gespräch. Er interessierte sich dafür, wie lange wir im US Gebiet bleiben wollen, wie unsere Pläne sind, warum wir dieses Visa haben wollen, ob wir wieder zurück wollen, usw. Nach max 10min bekommen einen blauen Schein. In den nächsten 3- 5 Arbeitstagen können wir unsere Pässe bei DHL am Flughafen abholen. Bis dahin heißt es – warten.

Zurück gönnen wir uns einen Spaziergang. Taxis haben von uns genug Geld bekommen.

2 Gedanken zu „Der Weg zum US-Visa“

  1. Hallo ihr zwei.
    Behoerdengaenge im Ausland sind oftmals das erste Abend/Teuer 😉
    Im HUBB vom Horizons Unlimited finden sich da einige Storys und Tipps, wenn auch mehr auf Zweirad bezogen.
    Achja schaut mal ob Ihr solche Malereinweg Kombis bekommt. Die schuetzen die Kleidung bein anlanden ohne das man sich totschwitzt. Sieht bestimmt lustig (besonders wenn die Quarataeneflagge noch gehisst ist 😉 )

    1. Hmm ja das mit den Maleranzügen könnte missverstanden werden ;-). Wir werden sehen, morgen können wir die Pässe abholen.

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