Ausflug nach Speyside

Bei Immigration haben wir eine kostenlose Landkarte von Tobago erhalten. Anders als bei den Seekarten, die wir mit uns führen, sind hier Sehenswürdigkeiten eingezeichnet, eben eine richtige Touri- Karte.

Wir schauen uns die Karte an und für uns ist schnell klar, was wir machen wollen:

– eine Tour durch den seit 1776 geschützen Regenwald,
– einen Abend Schildkröten am Strand bei der Eiablage beobachten (die Saison startet gerade),
– der Besuch des Argyle- Wasserfalls,
– Speyside auf der Ostseite der Insel ansehen, das Tauchmekka im Norden und
– Tauchen.

Ursprünglich wollten wir mit dem Boot auf der Westseite der Küste gen Süden segeln. Immigrations hat die Insel und 2 Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt, so dass wir im Süden hätten erneut einklarieren müssen. Weiterhin hätten wir einen von uns einzuhaltenden Zeitplan vorlegen müssen, wann und über welchen Zeitraum wir uns wo aufhalten wollen. Ähm ja, so genau hatten wir uns darüber keine Gedanken gemacht. Ein Zeitrahmen ja, aber einen Tagesplan, das ist uns zu aufwendig. Je nach Wind und Strömung hätte das mit dem Boot auch eine Herausforderung werden können. Die Inselhauptstadt Scarborough und die Strände im Süden können wir über Land besuchen.

Die ersten Termine/ Verabredungen für Führungen treffen wir noch am selben Tag. Leider werden wir erst am Ende der unsererseits Aufenthaltes Tauchen gehen können. Davor klappt es bei der ortsansässigen Tauchbasis nicht. Egal, wir wissen uns anderweitig zu beschäftigen.

Die Besichtigung von Speyside auf der anderen Seite des Bergs nehmen wir sofort in Angriff. Maxi- Taxis transportieren ihre Fahrgäste für kleines Geld über die Insel. Es gibt allerdings keine festen Routen, so dass man bei jedem Taxi, das in die gewünschte Richtung fährt, die Hand hochhält. Fährt es dahin, wo man hin will, dann heißt es, einsteigen, wenn nicht, wartet man auf das nächste Taxi. Sollte kein Taxi zur Verfügung stehen, kann man auch teilweise bei Privatperson mitfahren. Bevor man einsteigt, werden die Kosten für die Mitnahme geklärt und los geht es. So ist es auch bei uns, das Taxi ist voll und der Guide, der uns den Regenwald zeigen wird, organisiert uns eine Mitfahrgelegenheit in einem Privatfahrzeug. Die Fahrt über den Berg ist kurvenreich. Es erinnert an einen österreichischen Pass im tropischen Ambiente, wo das Straßenbauamt lange nicht nach dem Rechten gesehen hat. Die Straße könnte besser sein. Mit unserem Fahrer führen wir ein angenehmes Gespräch. Auch er doppelt einzelne Worte in seinen Sätzen, dass es mich innerlich schmunzeln lässt. Er nimmt an Austauschen innerhalb der karibischen Inseln teil. Alle 2 Jahre verreist er und im Folgejahr kommen die, zu denen er gereist ist, zu ihm. Den Ansatz finden wir gut. Zum Abschied empfiehlt er uns noch ein Restaurant und dann ist die Fahrt mitten in Speyside zu Ende.

Wir entscheiden uns für einen Spaziergang am Strand. Auf der anderen Seite der Bucht kann man Little Tobago sehen. Auch wenn See unruhig ist, kann man die Riffe erkennen. Hier mit Pico reinzufahren, wäre spaßig geworden. Einer im Rigg, der andere am Steuer und Funk. Alles um sicher zu gehen, nicht auf ein Riff aufzulaufen bzw. zu treffen.

Der Ort selbst ist größer als Charlottesville und mit Hotels und Tauchbasen auch touristischer. Das merken wir fast unmittelbar. Die Leute sind kontaktfreudig und wollen mit uns Ausfahrten nach Little Tobago oder über die Insel machen, uns tolle Dinge im Ort und in der Umgebung zeigen. Alles womit man mit Touristen glücklich machen kann. Wir empfinden das als anstrengend, denn in den vergangenen Wochen haben sich die Einheimischen mit uns ums des Quatschenwillens unterhalten. Nachdem ein Local uns teilerfolgreich seinen Service verkauft hat ( wir ärgern uns etwas über uns selbst), treffen wir in der Nähe des Restaurants, was uns empfohlen wurde, eine weiteren Einheimischen. Nach Hallo und guten Tag, fragt er uns, ob er was für uns tun könne. Wir verneinen die Frage, worauf er dann fragt was wir für ihn tun können. Hä, ehrlich jetzt?! Ja, er hätte gerne einen Roti (würzig gefüllte Teigtasche mit Huhn und Kartoffeln) zum Mittag. Es wäre auch nicht weit (500m in der entgegengesetzte Richtung, ich hab die Bude auf dem Rückweg gesehen.) Wir haben ihn freundlich abgewimmelt, nicht das aus dem Gebüsch noch Freunde von ihm dazukommen. Die 2 Typen haben unsere Laune etwas nach unten gezogen, mehr davon brauche ich nicht. Das Restaurant ist im Stil eines Baumhauses gehalten. Der Ausblick auf den Strand ist toll und das schlägt sich auch im Essenspreis nieder.

Als wir das Restaurant verlassen, schauen wir um die Ecke, ob Roti-Man noch da ist. Nein, anscheinend hat er jemand anderen gefunden und wir setzen unseren Gang am Strand Richtung Charlottesville fort. Eine verlassene, ehemalige Rumdestillerie kreuzt unseren Weg. Leider ist bis auf das Wasserrad nicht mehr viel übrig. Für ein paar Fotos reicht es.

Wegen der Mittagszeit müssen wir etwas länger auf ein Maxitaxi warten. Am Rand des Strands warten wir auf eine Mitfahrgelegenheit. Gelegentlich piekst es etwas, aber normale Mücken kann ich erstmal nicht ausmachen. Tagsüber sind die eher weniger aktiv. 2 oder 3 kleine Fliegen bemerke ich, schenke ihnen aber keine Beachtung. Hätte ich mal. Abends auf dem Boot kann ich ca. 20 Stiche pro Wade ausmachen. Die färben sich rot und jucken wie verrückt. Sowas kenne ich von normalen Mücken nicht. Nach kurzer Recherche kenne ich habe meine neuen Plagegeister – Sandfliegen bzw. Sandmücken. Kleine Blutsauger, die wegen feuchten Witterung munter an den Stränden und auf feuchten Boden leben und auf stehende Beine warten, um diese anzupieksen. Sie sind langsam und können einen gehenden Menschen nicht folgen. Steht der aber oder liegt noch besser an Strand, dann kann die Mücke zuschlagen. Mückenschutzmittel helfen, aber nach Wasserkontakt ist der hinfällig.

Ich habe meine neuen „Lieblinge“ gefunden.

Schrubben und sauber machen

My Home is my Castle und da ist es selbstverständlich, dass eine Tauchflasche voll Luft für das Reinigen des Unterwasserschiff von Pico verwendet wird. Eigentlich soll das aufgetragene Antiflouing dafür sorgen, dass sich keine Algen und Getier (Pocken oder Entenmuscheln) am Rumpf festsetzen. Auf der Überfahrt hat das gut geklappt, aber seitdem wir hier vor Anker liegen, hat sich einiges festgesetzt. Leider gibt es für Alu- Boote nur eine sehr begrenzte Anzahl an Antiflouing und bei denen heißt es, ausserhalb des Mittelmeeres sind sie nahezu wirkungslos. Scheint irgendwie zu stimmen :o( Wie sich der Bewuchs komplett ohne Antiflouing entwickeln würde, wollen wir aber auch nicht testen. Bewaffnet mit eine Handbürste, Handschuhen und Tauchausrüstung geht es unters Boot. Vom Bug zum Heck in der Hoffnung, dass die Strömung die abgeschrubbte Wolke wegträgt, bevor ich zum Schrubben dahinkomme. Die Rechnung geht auf, gute 1,5 Std später ist der pelzige Belag größtenteils weg und meine Flasche fast leer. Für die Entenmuscheln muss man mit dem Spachtel ran, aber die sind mehrheitlich am Heck zu finden, so dass beim nächsten Schnorchelausflug, das auch noch entfernt wird.

Mit unserem Wasservorrat sind wir auf der Reise gut hingekommen. Wir so gut gehaushaltet, so dass wir noch Frischwasser von der Überfahrt haben. Sehr geholfen hat der Salzwasserhahn, der noch auf den KapVerden installiert wurde. So verbrauchen wir beispielsweise beim Spülen nur noch ein Drittel des Wasser. Weiterhin haben wir wasserintensive Sachen, wie Wäsche waschen, nicht gemacht. Leider gibt es im Hafen keine Waschmöglichkeit, sprich Waschmaschine, und nach 4 Wochen ist der Bedarf nach frischer Wäsche gestiegen. Auf der Suche nach einer guten und günstigen Wäscherei haben wir von einer in Oistins (10 km weiter südlich) erfahren, in deren Warteraum es auch schnelles WLAN geben soll. Bei der gekaufte SIM-Karte des Anbieters Flow bricht fortwährend die Verbindung ab, so dass der Aufruf von normalen Webseiten zum Abenteuer wird. Angelockt von der Aufsicht auf stabiles und schnelles Internet testen wir die öffentlichen Verkehrsmittel. Wir stellen und an eine Bushaltestelle und warten auf einen Bus oder ein sogenanntes Routentaxi, um uns nach Oistins zu bringen. Eine Frau an der Haltestelle fragt uns, wohin wir wollen und erklärt uns dann, welche Linie uns dorthin bringt und wie wir Routentaxi von normalen Taxis unterscheidet. Wir halten die Rand raus, als ein ZR kommt, ein junger Mann schiebt noch halb in Fahrt die Tür auf und wir sind mitten im Bajan-Alltag. Wir nehmen auf den letzten 2 freien Platz und der KleinVan fährt an, kaum das wir den Sitz berühren. Aus den Boxen wummert das Radio, die Fenster sind aufgeschoben, Klimaanlage gibt es keine. Zugegeben, kontaktscheu sollte man nicht sein, der Van wird bis zum letzten Platz gefüllt. Beim Vorbeifahren werden Leute angerufen oder durch ein kurzes Hupen gefragt, ob sie einsteigen wollen. An der Wäscherei werden wir rausgelassen, mit Samt und Pack steigen wir aus.

In der Wäscherei lassen wir unsere Sachen waschen und trocken. Im Warteraum gibt es endlich ordentliches Internet. Hurra. Es reicht, um sich die Tagesschau ansehen zu können. Es scheint, als hätte sich in den letzten 4 Wochen wenig zum Thema Regierungsbildung getan. Gegenüber der Wäscherei gibt es eine Surfer Bar mit einem tollen Ausblick.

Den Rückweg treten wir wieder mit einem ZR an, Andy neues Lieblingsverkehrmittel. Die Fahrt kostet 1€, egal wie weit man der Linie fährt. Als wir am Boot ankommen, geht die Sonne auch schon wieder unter. Waschen gehen ist eine Halbtagesaufgabe. Egal, es hat Spass gemacht.