Tschüss Barbados

Zurück aus Port St. Charles saßen wir wie auf glühenden Kohlen und warteten darauf, dass wir die Bestätigung bekommen, dass wir unsere Pässe bei DHL Express abholen können. Die Tracking ID haben wir teilweise mehrmals am Tag aufgerufen, um zu sehen, ob sich der Status geändert hat. Ja, wir hatten die Hoffnung, dass sich auch am Wochenende was tut. Illusorisch, aber wir wollten endlich unser Pässe wiederhaben. Am Dienstag konnten wir sehen, dass die Pässe bei DHL eingegangen waren. Bis Mittag haben wir gewartet und dann haben wir unser Beiboot geschnappt und sind los, egal was uns die Tracking ID sagt. Die sollten es wohl schaffen unsere Pässe in ihrem Wareneingang zu finden. Um den Weg effektiv zu nutzen, haben wir auch noch unseren 120l Rucksack mit Schmutzwäsche mitgenommen. Auf dem Weg liegt eine Wäscherei mit super Internetzugang, den wir leider auf dem Boot vermisst haben. Das Verkehrsmittel unserer Wahl war wieder ein Routentaxi. ;o) In einem Taxi durften wir für unseren Rucksack einmal extra bezahlen, aber die haben die Maximalbelegung der Sitze herausgeholt. Und ganz klar, statt des Rucksack auf unserem Schoß, hätten sie da auch noch eine Person setzen können. Das war dankenswerterweise nur bei einem Teilstück fällig. Bei DHL angekommen, lagen unsere Pässe bereit und wir konnten sie gegen Vorlage unseres Personalausweise abholen. Auf dem Weg zurück waren wir in der Wäscherei, haben das Internet leidlich genutzt, haben einen Termin zum Ausklarieren vereinbart und waren noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Wir waren im Massy Store einkaufen, einem Laden, der eine große Auswahl an Produkten führt. Die Preise sind größtenteils durchschnittlich. Zur Orientierung: 2 Barbados Dollar entsprechen 1 US Dollar. Das sind wiederum ca. 0,82€.

Anbei ein Bild unseres Einkauf. Wenn ihr schätzen wollt, der Preis wird am Ende des Artikel genannt.

Am nächsten Morgen waren wir im Tiefwasserhafen mit Terry, unserem Agenten der Cornell Saling Ralley, zum Ausklarieren verabredet. Als Andy uns einklariert hat, ist er mit dem Beiboot in den Hafen gefahren, diesmal sind wir zu zweit zu Fuss in den Hafen. Am Eingang mussten wir durch eine Schleuse, unsere Pässe vorzeigen und ein Dokument ausfüllen, dass wir zum Ausklarieren hier sind. Am Ende haben wir ein Bändchen ums Handgelenk bekommen. Auf meine Frage, ob dass vielleicht das All-inclusive Bändchen sei, hat der Beamte in einem toternsten Ton gesagt „No Ma’am, this no All-inclusive band. It authorize you to go to immigration in the terminal and not more“ Ok, das kam nicht so gut an. Auf dem Weg zum Terminal sind uns Passagiere zweier Kreuzfahrtschiffe entgegengekommen. Ich war noch nie auf so einem Schiff, die verschiedenen Menschentypen und Nationen haben mich erstaunt.

Das Customs- and Migration Office ist am Ende bzw. Eingang des Duty-free Terminals, je nachdem aus welche Richtung man kommt. Ich hab mir die Leute und das Terminal angeschaut, während Andy mit Terry zum Ausklarieren gegangen ist. Da wir Teil der Odyssey waren und mit dem Agenten das Ausklarieren gemacht haben, sind für uns keine Gebühren angefallen. Die hatten wir mit unserem Startgeld für die Odyssey bereits bezahlt.

Zum Anschluss folgen wir der TripAdvisor Empfehlung Nr. 1 und gehen ein Cutterfisch Brötchen essen. Die Imbissbude hat genau ein Produkt, Cutterfisch mit und ohne Käse. Hat gut geschmeckt.

Unser nächstes Ziel ist Tobago, eine Insel südlich von Barbados. Für die Überfahrt werden wir ca. 24 Stunden brauchen. Damit wir zu den regulären Öffnungszeiten der Behörden ankommen, reisen wir morgens am nächsten Tag ab.

PS: Der Einkauf hat uns 72 Barbados Dollar, umgerechnet ungefähr 30 €, gekostet.

Der Weg zum US-Visa

Ein Grund, warum wir lange auf Barbados sind, ist, dass wir ein US Visa (B1/B2) beantragt haben. Anders als bei einer Flugreise, wo man bei der Einreise in die USA ein ESTA- Visum erhält, brauchen wir, sobald wir US Territorium mit dem Boot anlaufen, ein gültiges Visa. Ansonsten könnte uns die US Coast Guard mit einer saftigen Geldstrafe belegen und uns die Einreise verbieten. In der Karibik gehören Puerto Rico und die American Virgin Islands zum US Raum. In Deutschland ist uns irgendwann einfach die Zeit davongelaufen, so dass wir uns nach Alternativen umgesehen haben. In der Karibik gibt es auf Barbados und auf Trinidad jeweils eine US-Botschaft. In Berichten von anderen Segelern hatten wir gelesen, dass die US Botschaft hier in Barbados mit Segelern vertraut ist und das Procedere zeitnah durchgeführt werden kann.

Also haben wir gleich nach unserer Ankunft eine Daten-SIM von Flow gekauft, um das Online Formular auf der US Webseite auszufüllen. Leider hat die Flow Karte nicht gut mit unseren Handys zusammengearbeitet. Das Internet war grottenlangsam und teilweise funktionierte der normale Webseitenaufbau nicht. Es hat uns Nerven gekostet, die Formulare auszufüllen, aber irgendwann (nach insgesamt 3!!! Tagen) hatten wir es geschafft und konnten einen Termin für ein persönliches Interview in der US Botschaft vereinbaren. Der früheste Termin war der 14.02.18. Früh bzw. kurzfristig definiere ich anders, aber gut, wir wollen das Visa, also übten wir uns in Geduld….

Gestern war es dann soweit. Um 9:15 Uhr hatten wir den Termin. Tags zuvor waren wir am Busterminal und haben dort gefragt, welche Linie wir zur Botschaft nehmen müssen und wann der Bus fährt. So informiert, sind wir morgens um halb acht ins Beiboot, um quer durch die Bucht zu tuckern. Der Wind hatte schon angefangen zu wehen, so dass die Wellen ordentlich vorhanden waren. Andy ist langsam gefahren. Wir wollten nicht zu nass bzw. mit Salzwasser besprenkelt werden. Die weißen Flecken, die beim Trocknen zurückbleiben, wollten wir nicht auf den Klamotten haben. Hätte vielleicht einen falschen Eindruck wecken können. Pünktlich um acht waren wir am Bussteig und haben uns in die Schlange gestellt…. und warteten und warteten. Als um zwanzig nach immer noch kein Bus zu sehen ist, die Leute aber alle ganz entspannt blieben, haben wir eine Schülerin gefragt, wann denn der Bus normalerweise fährt. Daraufhin hat sie gelacht und gemeint, der Bus sei in der Regel etwas später dran. Mmh, das war uns etwas zu heiß, also sind wir Richtung Taxi aufgebrochen. Ich hab mich gefragt, wie die Leute, die auf den Bus angewiesen sind, mit den Verspätungen der Busse umgehen. Während wir dort standen und gewartet haben, kamen mehrere Busse, die bereits eine halbe Stunde vorher abfahren sollten. Planen sie mehr Zeit vorab ein, oder sagen in Schule/ Job „Sorry, Bus kam zu spät“?! Das Taxi wollte für die Fahrt 20$, der Bus hätte uns zusammen 4$ gekostet. Nun gut, bevor wir zu spät kommen, rein ins Taxi und los. Es war Rushhour, darum hat der Weg für die 5,5km eine gute Viertelstunde gedauert. Anders als in Berlin, wo die Straße vor der US Botschaft komplett für den Verkehr gesperrt ist, waren in dem Business Park mehrere Firmen angesiedelt und die Botschaft am Kopf des Parkplatzes. Am Eingang wurden erstmal unsere Papiere geprüft. Unsere Wertsachen konnten wir in einem Schließfach deponieren. Wichtig, nicht zu schnell agieren oder den nächsten Schritt vorab Bedenken. Das macht verdächtig. Nachdem ich den Schlüssel bekommen hatte, hab ich gewartet bis mir der nächste Sicherheitsbeamte ein Zeichen gab und ich bin weiter zur Personenkontrolle. Dokumente, Schlüssel, usw. werden wie am Flughafen durch einen Scanner geschleust. Mein Gürtel war aus Plastik, so dass ich ihn anbehalten durfte, nachdem mich die Beamtin danach gefragt hat. Andy hat diskutieren dürfen, er hat von sich aus ohne Aufforderung gesagt, er sei aus Plastik… verdächtig! Also weiter in den nächsten Raum und dann noch einen weiter. Hier durften wir uns anstellen, um die Pässe, weitere Unterlagen und unsere Fingerabdrücke abzugeben. Peter und Kathrin von der SY Florentine hatten uns erzählt, dass ihr Interview in München sehr formal und strikt abgelaufen ist. Dementsprechend hatte ich mich darauf eingestellt. So war ich überrascht, das Andy und ich zusammen am ersten Schalter standen und unsere Pässe abgegeben haben. Leider war die Dame am Check-in nicht mit meinen Passfoto zufrieden. Meine Ohren seien nicht genug zu sehen, ich bräuchte neue Bilder. Sie nannte mir ein Einkaufszentrum, wo ich mit dem Taxi hin sollte. Das Foto hab ich im August für meinen deutschen Reisepass genutzt und in der Online Prüfung auf der US Webseite war das Foto akzeptiert worden. Zählt aber alles nix, also den ganzen Weg zurück, raus aus der Botschaft zu den Taxis, gespannt, was die Fahrt hin und zurück kosten wird. Pro Fahrt wollte der Fahrer 20$ haben. Dass Andy hat mich begleitet hat, hat zum Glück den Preis nicht verändert. Im Einkaufszentrum gab es einen Fotoladen. Würde mich nicht wundern, wenn der mit der US Botschaft eine Kooperation eingegangen ist. Der Blitz der Kamera war ohne Filter direkt auf mich gerichtet. Das hat man auf den Bilder gesehen, die Sonnenmilch hat mir weiß glänzende Stellen im Gesicht beschert. Das Makeup habe ich natürlich zu Hause gelassen. Irgendwie sehe ich auf den Fotos leicht gequält kränklich aus, aber meine Ohren sind voll sichtbar. Wieder zurück, durch die Schleusen, das Foto beim Checkin abgeben und im Warteraum Platz genommen um auf den Aufruf zum Interview zu warten. Die werden wieder an einem anderen Schalter geführt. Blaue Passierscheine bedeuten bestanden, gelbe abgelehnt. Während wir warten, werden beide Farben an Personen ausgehändigt. Wir wurden wieder zusammen aufgerufen und der Herr hinterm Schalter führte mit uns eine lockeres Gespräch. Er interessierte sich dafür, wie lange wir im US Gebiet bleiben wollen, wie unsere Pläne sind, warum wir dieses Visa haben wollen, ob wir wieder zurück wollen, usw. Nach max 10min bekommen einen blauen Schein. In den nächsten 3- 5 Arbeitstagen können wir unsere Pässe bei DHL am Flughafen abholen. Bis dahin heißt es – warten.

Zurück gönnen wir uns einen Spaziergang. Taxis haben von uns genug Geld bekommen.