Willkommen 2019

Jedes Jahr rund um Silvester stellt sich die Frage „ Gute Vorsätze fürs nächste Jahr – ja oder nein?!“ Diesmal ist es mir leicht gefallen – ja, einen guten Vorsatz nehme ich mir vor. Ich möchte mehr bzw. weiter reisen. Um diesen umsetzen zu können, habe ich Maßnahmen ergriffen.

Meine Firma, bei der ich lange beschäftigt war, werde ich zum Jahresende verlassen. Für das Sabbatical habe ich mich schon einmal verabschiedet, dieses Mal ist es endgültig und fühlt sich somit auch anders an. Als ich das letzte Mal durch das Firmengebäude zum Ausgang gehe, beschleicht mich eine Melancholie, schade, dass es nun vorbei ist. An der Tür sehe ich mich ein letztes Mal um, blicke in den Eingangsbereich und nehme die Eindrücke in mich auf. Ich trete durch die Tür. Sie schließt sich langsam mit einem kurzem Plopp hinter mir. Ich bin draußen. Na dann, ich drehe mich nochmal um, verabschiede mich stumm und setze mich in Richtung S-Bahn in Bewegung. Der Moment der Melancholie ist vorüber. Bald fliege ich wieder in die Karibik.

Silvester verbringe ich bei Freunden. Es ist ein chilliger und lustiger Abend. Es wird viel gelacht und wir woken, was das Zeug hält. Jeder darf mal an den Wok und kreiert aus einer großen Auswahl an Zutaten einen Happen für jeden. So kommen unterschiedliche kleine Portionen auf meinen Teller, die ich alle lecker finde. Leider ist meine Kreation, naja sagen wir mal, ausbaufähig. Mit einem zusätzliches Schuss Sojasauce als Würze auf den Teller kann man es essen. Ein bißchen bin ich verstimmt, denn ich weiß, ich kann es besser. Egal, das gehört noch zu 2018. Im neuen Jahr habe ich die Chance, es besser zu machen.
Das neue Jahr beginnt pünktlich um 00:00:01 Uhr. Wer hätte das gedacht?! 😉 Wir gehen auf die Straße, um mit andern auch Feuerwerkskörper in den Himmel zu schießen. Andy ruft mich an. Ich bin total perplex, dass er sich trotz Zeitverschiebung zur richtigen Zeit meldet. Das hat er den Leuten auf Curacao zu verdanken. Die feiern nämlich 2x. Einmal, wenn die Niederlande durch den Datumswechsel gehen und dann 5 Stunden später, wenn sie selbst das neue Jahr erreichen. Die scheinen noch mehr Pyrotechnik verliebt zu sein als wir.

Die folgenden 2 Tage bin ich mit Packen beschäftigt, denn ich fliege am 03.01.2019 nach Curacao. Juhu, gleich die Vorsätze für neue Jahr umsetzen.
Insgesamt habe ich 70kg Freigepäck bei der Condor erworben. Einkauft bzw. bestellt haben wir mehr. Auf den Boden ausgebreitet liegen 90kg Waren. Sch*, das Gepäck muss um 20kg erleichtert werden! Keine leichte Aufgabe. Mithilfe von Bildern, Threema (wie Whatsapp nur sicherer) und Skype beraten Andy und ich. Wir legen Prioritäten fest, sortieren Waren aus und ich wiege es erneut. Ha, knapp, aber ja, am Ende des Tages bin ich an der 70kg Marke angelangt. Die Waren, die ich nicht mitnehme, werden für den Rückversand fertig gemacht oder in die „Kiste für später“ geräumt, um sie zu einen anderen Zeitpunkt auf reisen zu schicken. Bei manchen Sachen finde ich es sehr schade, aber es geht nicht anders. So kommt schweren Herzens nur eine Haribotüte mit Lakritze mit. *schnief*
Das Wohnzimmer meiner Mutter gleicht einem kleinen Schlachtfeld. Sie nimmt es mit stoischer Gelassenheit. Irgendwann geht auch das vorüber. Als meine 4 Taschen fertig gepackt sind, fühle ich mich erleichtert. Alles drin und ich kann die Taschen auf einmal tragen. Meinen Handgepäcksrucksack vorm Bauch, den Ortlieb-Rucksack auf den Rücken und dann noch rechts und linkes in der Hand je eine Tasche. Spätestens jetzt weiß ich, wie sich ein Muli füllen muss. Lange Strecken tragen, wird eine Herausforderung, aber ich hoffe auf Gepäckwagen am Flughafen.

Am Morgen des Abfluges bringt mich meine Mama zum Flughafen. Wir sind früh unterwegs, da vor nicht langer Zeit Passagiere nicht im Flieger mitgenommen wurden, weil die Sicherheitskontrolle sehr lange gedauert hat. Im Parkhaus bekomme ich auch gleich die Chance meine Stärke unter Beweis zu stellen. Es gibt keine Gepäckwagen, also trage ich Taschen zum Aufzug. Unten im Flughafen angekommen, gibt es Wagen. Ufff. Nach der Bezahlung von einem Euro können wir Richtung Conder Check-in starten. Die Warteschlange vor den Condor-Schaltern in ewig lang. Ach herrje, das kann dauern. Für die Menge an abzufertigen Passagieren sind zu wenig Schalter geöffnet. Immer wieder werden Reisende Richtung Teneriffa nach vorne gelotst, damit noch einchecken können. Irgendwann kommt der Flug nach Mallorca hinzu. Ohmmm, ich bin froh, dass wir früh losgefahren sind. Endlich, endlich komme ich an den Schalter. Meine Koffer hieve ich galant auf das Band. Mit Spannung starre ich auf die Anzeige und ja, die Waage zeigt 70,5kg. Alles im grünen Bereich, puh. Entgegen meiner Befürchtung passiere ich schnell die Sicherheitskontrolle. Es ist wenig los. Hätte ich das vorher gewusst, hätte mir bei Abschied mehr Zeit lassen können. Aber gut, lieber so als dem Flugzeug hinterher zu winken.
Das Flugzeug steht auf einer Außenposition. Ich bin froh, das wir nicht auf den ganz günstigen Plätzen stehen, denn sonst hätte die Busfahrt über das Vorgelände eine gute halbe Stunde gedauert. So sind es nur 5 oder 10 min. Im Flugzeug angekommen, stelle ich erfreut fest, das in jeder Sitzplatztasche eine kleine Flasche Wasser steckt. Für den Durst zwischendurch ist gesorgt. Der Service kommt regelmäßig und das Essen ist in Ordnung. Da die Flugzeit mit etwas mehr als 10 Stunden angeben ist, schaue ich mir interessiert das Boardunterhaltungsprogramm an. In jedem Sitz ist ein kleiner Bildschirm eingelassen, der individuelles Entertainment ermöglicht. Die Filmauswahl bringt mich je auf den Boden zurück. In der Standardauswahl gibt es genau 2 Filme, eine Kinderfilm und einen Frankensteinfilm. Klasse, beide sprechen so gar nicht an. Für eine erweiterte Auswahl, dass sogenannte Premiumpaket, darf man beim Bordpersonal 9,-€ pro Person zahlen. Ich erinnere mich nicht mehr, ob man vorab einen Blick in das Paket werfen kann, mich schreckt der Preis ab. Dafür kann ich locker in einen 2D Kinofilm gehen. Nein, ich kaufe keinen Code, sondern höre lieber mein vorab runtergeladenen Hörspiele. Im Vergleich TUIfly (unser Flug nach Brüssel) und Condor gewinnt in Sachen Unterhaltung klar TUIfly.

Von Norden kommend überqueren wir einen Teil von Curacao bevor wir um 15:25 Ortszeit auf dem Flughafen landen. Die Zeitverschiebung beträgt -5 Stunden.
Jetzt geht durch die Einreise und den Zoll. (Der Vorgang heißt, wenn wir mit dem Boot einreisen, einklarieren.) Ich bin gespannt, ob sich der Zoll für meine Waren interessiert. Je nachdem müsste ich dann auf Pico als „Yacht in Transit“ verweisen. Ich will ja keine Einfuhrsteuer für meine Mitbringsel zahlen. Als ich mit meinen Taschen beim Zoll ankomme, winkt der mich durch. Ok, das macht es leichter. Durch das Geschiebe des Gepäckwagens und ständige Auflesen einer meiner Taschen wird mir warm. Diese Teile sind nicht für die Gepäckmenge ausgelegt. Wissend, dass es draußen ca. 30°C sind, versuche ich mich mental drauf einzustellen und laufe doch gegen eine Mauer. Aber Andy holt mich ab und die Sonne scheint.
Es ist schön, wieder hier zu sein. 🙂

Hallo Curacao.

Grenada – Prickly Bay

Wir wollen weiter nach Grenada. Die Entfernung beträgt ungefähr 90 Seemeilen. Wenn die Wettervorhersage eintrifft, haben wir guten stabilen Wind von hinten mit etwa 20 Knoten. Das sollte uns über Nacht nach Grenada bringen.

Zuerst heißt es ausklarieren. Wir gehen diesmal zusammen zu Customs und Immigration. Im Warteraum treffen wir bekannte Segler, so dass die Zeit des Wartens, bis alle Dokumente ausgefüllt, gestempelt und bezahlt sind, schnell vergeht. Mit dem verbleibenden Geld gehen wir nochmal zum Mittagessen und, weil noch Geld übrig ist, im Anschluss daran in den Minisupermarkt. Für das letzte Geld kaufen wir uns lokale Schokolade. Die ist lecker und schmilzt nicht ganz so schnell. Zurück an Bord treffen wir Vorbereitungen zum Auslaufen. Eigentlich ist nicht so viel zu tun, doch wir wuseln eine Weile, bestimmt 2 Stunden, durchs Schiff. Zum späten Nachmittag wird der Anker gelichtet und wir verlassen Tobago. Es hat uns dort gut gefallen.

Der Törn an sich verläuft richtig chillig. Bis Mitternacht sieht man andere Frachter und Fischer in einiger Entfernung, danach wird es ruhig. Konstanter Wind, wenig Wolken, keine anderen Schiffe. Wir sind so entspannt, dass wir am nächsten Morgen fast an der Bucht in Grenada vorbeisegeln. Wir hatten die nächste Bucht im Auge. Es wird kurz hektisch, Schiff in den Wind drehen Vor- und Großsegel einholen und unter Motor in die Bucht tuckern.

Wir ankern in der Prickly Bay – Grenada. Nach der überschaubaren Anzahl von Booten vor Charlotteville in Tobago ist das ein echter Kulturschock. Hier liegen bestimmt hundert oder mehr Boote. Auf Tobago hat man sich begrüsst, hier ist das unmöglich.

Die Marina vermietet Bojen, so dass nicht alle mit ihrem Anker den Grund pflügen müssen. Auf dem Maringelände gibt eine große Bar mit WLAN und Tischen mit Steckdosen. Essen und Getränke gibt es reichlich. Das Customs- und Immigration-Büro finde ich über dem Kiosk, es ist Mittagspause. Ich gehe in die Bar und halte mit anderen deutschen Seglern, die wir aus Barbados kennen, erst mal einen kleinen Erfahrungsaustausch. Wer, wohin, was gibts wo usw. Nach der Mittagspause komme ich wieder in das Büro und soll mich erst mal am PC an einem Portal anmelden und die Daten eingeben. „Sailclear“ heißt der Dienst. Das Portal soll das Einklarieren vereinfachen. Hätte er auch vorher sagen können, dann hätte ich das in der Pause gemacht. Das System verschickt eine Bestätigungsmail an unsere E-Mail und der Officer versteht nicht, dass ich mich nicht an dem verseuchten PC in mein Postfach einloggen möchte. Ich erkläre ihm, dass das bei meinem Gerät nicht geht und verschwinde kurz in das Wlan der Bar, um dort per VPN die Mails abzuholen. Dann alles Ausfüllen, noch mal ins Büro und schon sind wir offiziell einkarliert.
Die Umgebung der Marina hat alles, was man für die Yacht braucht, ein Budget-Marine-Shop, Kiosk, Bushaltestelle mit Routentaxis, Taxis und Shuttles in die Hauptstadt St. George. Im Budget-Marine Shop versuche ich, eine Grenada-Flagge als Gastlandflagge zu erstehen, lerne aber, dass es um einen Duty-Free-Shop handelt. Ich brauche die Bootspapiere, welche ich gerade mal nicht dabei habe.
Also wird der Kauf auf den nächsten Tag verschoben.

Am nächsten Tag klappt’s dann mit dem Einkauf, von meiner Liste haben sie jedoch nur einen weiteren Artikel da, trotz des riesigen Ladens. In St. Georg soll es noch einen weiteren Yacht-Shop geben. Wir sind gespannt….

Hallo Tobago

Die Überfahrt von Barbados zu Tobago war wunderschönes Segeln, Wind mit 15-24 Knoten von der Seite, wir kamen so gut voran. Die Wellen waren trotz 2-3 Metern erträglich :-). Nachts haben wir den ersten wirklichen tropischen Squall erlebt. Der Wind nahm kurzfristig von 15 Knoten auf 30 Knoten zu und änderte zudem spürbar die Richtung. Mit der Richtungsänderung kam Rotkäppchen (unsere Windsteueranlage) klar. Sie steuert nach dem Windwinkel nicht nach dem dabei angelegten Kompasskurs. Für 5 Minuten öffneten sich alle Wasserschleusen, es regnete so stark, dass man die eigene Bugspitze fast nicht mehr sehen konnte. So schnell der Wind samt Regen kam, so schnell zog er auch weiter. Danach herrschte kurz „Flaute“ gefolgt von der Winddrehung zurück. Da wir nachts allgemein mit kleinerer Besegelung fahren, konnte man das Schauspiel entspannt aus den trockenen Niedergang heraus beobachten.

Bei der Ansteuerung von Tobago mussten wir noch einen Haken schlagen, sonst wären wir den Felsen im Norden zu nahe kommen. 2-3 Meilen vor Charlotteville haben wir die Segel geborgen und sind unter Motor in die Bucht gelaufen.

Im Regen ging auf die Suche nach einem Ankerplatz. Beim ersten Versuch landete der Anker auf Felsen, da man hier auf 15-25m Wassertiefe ankern muss, und das Wasser vom Regen trübe war, sah man von der Oberfläche aus keinen Grund mehr. Der 2te Versuch klappte, wir hatten offenbar Sand auf 15m Tiefe gefunden.

Mit dem Beiboot ging es im Abschluss an Land, um den Zoll und die Immigration aufzusuchen. Unsere Nachbarn fuhren mit der kompletten Crew hin, wir hielten uns an die Regel, dass nur einer zum Einklarieren geht. Das Anlanden war spannend. Wegen der starken Brandung war es nicht möglich, auf den Strand zu fahren. Es gibt einen grossen Steg für Fischerboote, der je nach Gezeiten zwischen 2,5m und 3,5m aus dem Wasser ragt. An den Seiten hängen Traktorreifen herunter. Der etwas tiefer gelegene Teil des Stegs an der Seite lag schon fast in der Brandung. Also musste das Beiboot am Reifen festgebunden und hochgeklettert werden.

Mit Nachfrage bei der Polizei fand ich nötigen Behörden. Ich war dran vorbeigelaufen, da ich es als Krankenhaus angesehen hatte.

Der Papierkram war zügig erledigt. Zuerst Customs, dann Immigration, wo ich lernte, dass in Tobago erwartet wird, dass alle Personen an Bord im Büro erscheinen sollen. Ich hätte Sandra abgeholt, doch ein wirkliches Problem war es nicht. In Mindelo hatten wir noch eine Rüge erhalten, da wir zusammen bei den Behörden waren: „Wer passt auf Ihr Schiff auf, wenn es vor Anker liegt und Sie beide hier sind ?!“. Auf der Noonsite hätten wir die Info lesen können, doch in unseren Guide stand es leider nicht. Die Erwartungen unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Für das Verlegen in eine andere Bucht braucht man hier eine Erlaubnis und muss einen tagesgenauen Plan vorlegen. Mal sehen, was wir machen werden.

Das Beiboot fand ich unter dem Steg wieder, was kein Problem war, da der Steg jederzeit hoch genug ist. Aber das Runterklettern war eine Herausforderung, da man auf dem Traktorreifen balancierend mit der Leine erst das Beiboot beiziehen musste.

Das Bild vom Stegs ist später entstanden, am Ankunftstag hatte die Brandung die Höhe des Beiboots. Das liegt hier übrigens am Stegende.

Zurück an Bord lassen wir den Abend ruhig ausklingen und schlafen erst mal aus. Bei so einer Überfahrt von etwa einem Tag fehlt der Wachrhythmus und so sind wir müde und fallen ins Bett …

Die nächsten Tage werden wir dann mal auf die Suche nach Tauchbasen gehen und uns Überlegen, was wir alles in Tobago machen wollen.